| Wie
gehe ich bei der Aufwandsschätzung vor?
Basis
für die Aufwandsschätzung sind die Arbeitspakete
aus dem Projektstrukturplan
(siehe Projektstrukturierung).
Jedes Arbeitspaket
wird für sich alleine betrachtet. Folgende Vorgehensweise empfiehlt
sich:
-
Abschätzen
der Arbeitsmenge (= Aufwand bzw. Arbeit, angegeben z.B. in
Personentagen [Pt]oder -stunden [Ph]), die voraussichtlich notwendig sein
wird, um das Ziel/Ergebnis des Arbeitspakets
zu erreichen. Falls möglich, kann der hier geschätzte Aufwand
bereits nach einzelnen Ressourcen aufgeteilt sein (also z.B. Maurer und
Hilfsarbeiter).
Da
jede Schätzung einzig und allein auf Erfahrungen basiert, ist es zur
Verbesserung der Aufwandsschätzung notwendig, Erfahrungssicherung
zu betreiben. Die Methoden zur Unterstützung der Aufwandsschätzung
zielen allesamt darauf, die Erfahrungssicherung zu systematisieren und
möglichst transparent zu machen.
Beim
Abschätzen des Aufwands für ein Arbeitspaket
sollte unbedingt der zuständige Mitarbeiter mit eingebunden sein -
der Projektleiter
alleine wird dies in der Regel nicht leisten können.
Der
Aufwand hängt vom Arbeitsinhalt eines APs
ab!
-
Abschätzen
der maximalen Intensität, mit der eine Ressource diesen Aufwand
erbringen kann (=Personal- bzw. Ressourceneinsatz, angegeben entweder in
[%] oder z.B. [Ph/T]). Hier gibt es eine "natürliche" Obergrenze.
Beispielsweise können nicht 4 Arbeiter gleichzeitig ein 1 x 1 Meter
großes Loch graben oder 2 Programmierer an ein und demselben Modul
arbeiten.
Urlaube,
Schulungen oder sonstige geplante Abwesenheiten von Ressourcen werden in
diesem Planungsstadium noch nicht berücksichtigt, dies erfolgt im
Rahmen der Planoptimierung (siehe Kapitel Planoptimierung).
-
Aus den
beiden Größen Aufwand und (maximalem) Personaleinsatz läßt
sich ableiten, welcher Zeitbedarf (=Dauer, angegeben in Tagen [t], Wochen
[w] oder Stunden [h]) für die Durchführung eines Arbeitspaketes
notwendig ist. Als einfachste Rechenformel wird hierfür angewendet:
Dauer
= Aufwand / Personaleinsatz
Hat
man im ersten Schritt die Aufwände bereits für die einzelnen
Ressourcen getrennt geschätzt, ergibt sich je Ressource eine individuelle
Bearbeitungsdauer. Die längste Bearbeitungsdauer ist identisch mit
der Gesamtdauer des Arbeitspakets.
-
Diese
drei Schritte werden für jedes Arbeitspaket
durchgeführt.
Nach der
Aufwandsschätzung können die geschätzten Aufwände in
die Projektmanagementsoftware übernommen werden.
| Anmerkung
(V. Jungbluth)
Hinsichtlich
der zu leistenden Aufwände stellen die meisten PM-Systeme mehr oder
weniger differenzierte Berechnungsregeln bereit. So kann zum Beispiel bei
vielen Projektplanungsprogrammen eingestellt werden, daß eine Verdoppelung
der an einem Vorgang arbeitenden Ressourcen zu einer Halbierung der jeweiligen
Vorgangsdauer führt. Dieser Automatismus führt allerdings nicht
immer zu realistschen Ergebnissen (vgl. oben: "natürliche Obergrenze").
Auch die Abbildung variabler Kapazitätsverläufe ist nicht mit
jeder PM-Software möglich. Beispiel: Ein Entwickler soll in der Anfangsphase
eines Projektes an einem Vorgang nur wenige Stunden arbeiten und im weiteren
Projektverlauf seine tägliche Stundenzahl steigern.
|
Was sind die
häufigsten Fehler bei der Aufwandsschätzung?
Erfahrungsgemäß
fallen Aufwandsschätzungen zu neuen Themen oder von Mitarbeitern,
die nur selten bewußt Aufwände schätzen, eher zu niedrig
denn zu hoch aus.
Viele Mitarbeiter
trennen Aufwand und Dauer nicht scharf. Der Aufwand hängt jedoch vom
zu erbringenden Arbeitsinhalt ab, die Dauer kann dagegen durch mehr oder
weniger intensives Arbeiten an einem AP beeinflußt werden.
Eine bewußte
und systematische Erfahrungssicherung, Grundvoraussetzung für eine
fundierte Aufwandsschätzung, wird häufig aus Zeitmangel oder
anderen Gründen nicht gemacht.
Viele Angaben
zum voraussichtlichen Aufwand werden unter dem Druck knapper Ressourcen
und enger Terminpläne gemacht - und sind deswegen von vornherein unrealistisch.
Die zuständigen
Mitarbeiter werden nicht oder nur ungenügend bei der Aufwandsschätzung
eingebunden. Dabei ist dies schon allein aus Motivationsgründen unerläßlich,
vom Fachwissen ganz zu schweigen.
Auch Projektmanagement
verursacht Aufwand! Dieser wird jedoch häufig nicht in die Planung
mit einbezogen. Analog verhält es sich mit Aufwänden für
Qualitätssicherung.
Welche Verfahren
unterstützen mich bei der Aufwandsschätzung?
Zur Unterstützung
der Aufwandsschätzung in verschiedenen Phasen der Projektplanung
gibt es verschiedene Methoden (z.B. function point, COCOMO, Erfahrungsdatenbanken),
bei denen ein gewisses Maß an Erfahrung bei ähnlichen Projekten
als "Input" zur Verfügung gestellt werden muß, damit als "Output"
eine Aussage über den voraussichtlichen Aufwand eines Projektes getroffen
werden kann. Außerdem sind in der Regel bereits relativ detaillierte
Informationen über das Projekt notwendig, damit diese Methoden angewendet
werden können.
Aus diesem Grund
hat sich in der Praxis hauptsächlich die Expertenbefragung durchgesetzt.
Dabei werden im wesentlichen ein oder auch mehrere Experten über den
ihrer Meinung nach zu erwartenden Aufwand für das Projekt oder Arbeitspaket
befragt.
Anmerkung
(V. Jungbluth)
Zu einigen PM-Systemen
existieren Module, welche die Aufwandsabschätzung (Function Point,
COMO usw.) unterstützen, zum Beispiel der Project Bridge Modeller
von ABT (vgl. www.Managementsoftware.de
in der Rubrik Projektmanagement!) |